Pötzsch, Gerhard: Zwischenzeitblues

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Verkaufspreis20,00 €

Beschreibung

Gerhard Pötzsch
Zwischenzeitblues
Roman

272 S., geb., 130 × 200 mm
ISBN 978-3-96311-481-6

Erschienen: Dezember 2020


Der neue Roman eines Leipziger Urgesteins

Nach dem Auftakt mit »Taschentuchdiele« über die Sehnsucht, in der Welt eine Heimat zu finden, nimmt der Leipziger Romancier und Hörspielautor Gerhard Pötzsch die Leserschaft nun mit auf eine Reise, die schließlich von der Pleiße bis ans Grab des russischen Schriftstellers Pasternak bei Moskau führt. Das Alter Ego des Autors sucht nach Antworten auf die großen Fragen: Wie führt man ein Leben? Wodurch wurde ich der, der ich heute bin? Kann ich mein vergangenes Leben überhaupt in der Erinnerung finden?
In zehn Erinnerungs-Scheiben, in denen die Musik etwa oder der jeweilige »Duft« der Epoche eine erhebliche Rolle spielen, schildert Pötzsch die Summe von Erfahrungen und die Sehnsucht, sie zu begreifen.

Autor

Gerhard Pötzsch, geb. 1951 in Leipzig, 1968 Verurteilung wegen Republikflucht, danach Arbeit in verschiedenen Berufen. Studium am Literaturinstitut in Leipzig. Veröffentlichungen in den Bereichen Hörspiel, Feature, Prosa. Von 1992 bis 2001 Geschäftsführer eines privaten Radionetzwerkes. Freier Autor, Hörbuchverleger, Herausgeber. Im Mitteldeutschen Verlag erschien 2015 der Roman »Taschentuchdiele«.

PRESSESTIMMEN

»Es sind im Buch fesselnde Erinnerungen aus jenen Jahren, auch mitreißende Schilderungen des Lebens in einem inzwischen untergegangen Land zu finden […].«
Albrecht Franke, Ossietzky, 8/2021

»Die Stärke des Romans ist die freimütige Suche in der Erinnerung.«
Michael Hametner, MDR Sachsen - Das Sachsenradio, 1. März 2021

»Wundervoll lyrisch, wortreich und elegant.«
Volly Tanner, Ahoi - Das Stadtmagazin für Leipzig und Region, 1. Februar 2021

Video

Lesung mit Gerhard Pötzsch bei YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=45fDbjGSW-s

Interview

Sie gelten als »Leipziger Urgestein«. Haben Sie jemals in Erwägung gezogen, an einem anderen Ort zu leben?
Ja –, im August 1968 zum Beispiel, als die Staaten des Warschauer Vertrages den Prager Frühling strangulierten. Kurz vor seinem absehbaren Erstickungstod, quasi in letzter Sekunde, wurde ich mir mit Freunden darüber einig, dass wir den Duft der großen weiten Welt fortan lieber jenseits der heimatlichen Mauern schnuppern wollten. Den dafür notwendigen Versuch der ungenehmigten Grenzüberschreitung vergeigten wir allerdings grandios. Noch während der sich daran anschließenden Haft beschloss ich: DIE haben dich nicht gehen lassen – nun müssen sie dich aushalten! Mein alter Freundeskreis schrumpfte in den Folgejahren, vom zunehmend grassierenden Ausreisefieber  jener Zeit unaufhaltsam befeuert, weiter und weiter. Gelegentlich fragte ich mich da schon: Ist Dableiben aus Prinzip jetzt einfach nur stur – oder vielleicht doch mehr als blöd?

Welche Bücher lesen Sie am liebsten, wenn Sie nicht gerade selbst schreiben?
Ich lese seit meiner Jugend kontinuierlich und gemessen am Bevölkerungsdurchschnitt vermutlich auch verhältnismäßig viel. Allerdings – aus Erfahrung geläutert und meiner absehbar begrenzten Lebenszeit geschuldet – meide ich dabei von vorherein alle jene Bücher, die bestenfalls einen Literatur vorgaukelnden Aufguss rasch produzierter TV-Vorabendserien vermuten lassen. Sie sind gewöhnlich bonbonbunt angezogen, die Inhalte ihres Plots werden per Lautsprecher verkündet, oder sie verbreiten ihre Botschaften als gestammeltes Offenbarungskauderwelsch von Plakatwänden. Ich scheue die Beantwortung Ihrer Frage nach dem oder den ‚liebsten Büchern‘ im Grunde aus Dankbarkeit vor meinen Leseerlebnissen mit dem Werk von Autoren, welches in der Regel ja aus mehr als nur einem Buch besteht. Sehen Sie mir also bitte nach, wenn ich hier deshalb viel lieber mir wichtige Autoren, die in unserer Muttersprache arbeiten, nenne: Immer wieder Schopenhauer –  seit vielen Jahren Jean Paul –  den zu Unrecht heute fast vergessenen Johannes Bobrowski – und natürlich Paul Nizon, der im Dezember diesen Jahres übrigens seinen 92. Geburtstag feiern wird und dem tatsächlich das Wagnis gelungen ist, sein Leben in grandiose Literatur zu verwandeln. Jedes einzelne Buch der Genannten hätte es meiner Meinung nach nämlich vollkommen zu Recht verdient gehabt, auf Ihre Frage hin gleichermaßen erwähnt zu werden.

In »Zwischenzeitblues« stellen Sie einige sehr interessante und tiefgründige Fragen: Wie führt man ein Leben? Wodurch wurde ich der, der ich heute bin? Kann ich mein vergangenes Leben überhaupt in der Erinnerung finden? – Können Sie nach Abschluss des Romans auf all das eindeutige Antworten geben?
Nein –, das wäre wohl auch total verstiegen. Und überhaupt: eindeutig schon gar nicht! Der vorliegende Roman ist mein angebotener Versuch – gemeinsam mit zur Mitarbeit bereiten Lesern – um Antworten auf die gesellten Fragen zu ringen. In einem solchen Prozess kann es keinen gültigen Abschluss geben.