Berdsenischwili, Lewan: Heiliges Dunkel

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Verkaufspreis25,00 €

Beschreibung

Lewan Berdsenischwili
Heiliges Dunkel
Die letzten Tage des Gulag
Deutsch von Christine Hengevoß
Dokumentarfiktion

264 Seiten, gebunden, 135 × 210 mm
ISBN 978-3-95462-991-6

Erschienen: März 2018


Das wohl ungewöhnlichste Buch über das Leben im Gulag!

Auf die Frage, warum er die Erinnerungen an seine Jahre im Gulag niedergeschrieben habe, erwiderte Lewan Berdsenischwili: »Es ist kein Buch über mich, sondern über die Menschen, die ich kennen und lieben gelernt habe. Vielleicht erkennen einige von ihnen sich nicht wieder, denn die Erzählungen enthalten mehr Wahrheiten über sie, als sie selber wissen oder zu wissen glauben. Es ist ein Buch nicht nur über das Traumatische dieser Erfahrung, sondern auch das Glück des Austauschs mit sehr unterschiedlichen Menschen, denen dasselbe Los zuteilgeworden war.«
Berdsenischwili schreibt mit feinem Humor und Ironie, manchmal aber auch voller Sarkasmus und Wehmut über seine Mithäftlinge und ihre Bewacher. Er folgt den außergewöhnlichen, teils schrägen Charakteren, die – wegen absurdester »Verbrechen« inhaftiert – geplagt sind von Hunger, Haft, dem Mangel an Kommunikation mit der Außenwelt. Doch schwingt auch immer eine gewisse Dankbarkeit mit. Die vom KGB »auserlesenen« Inhaftierten bilden eine Art Ersatzfamilie füreinander und erleben Dinge, die sie ohne den Gulag nicht erfahren hätten.

Autor

Lewan Berdsenischwili, geb. 1953 in Batumi, studierte klassische Philologie und promovierte über Aristophanes. Er war Direktor der georgischen Nationalbibliothek und Dozent für antike Literatur an der Staatlichen Universität Tbilissi. Von 1984 bis 1987 war er als politischer Häftling wegen »Antisowjetischer Agitation und Propaganda« in einem Gefangenenlager inhaftiert. Seit 1996 ist er politisch aktiv und Mitglied des georgischen Parlaments. Berdsenischwili schrieb zahlreiche Bücher und Essays. Er lebt mit Frau und Tochter in Tbilissi.

Leseprobe

Wie die meisten Insassen des Straflagers rauchte auch Arkadi, doch war er selbst nie im Besitz von Tabak oder Machorka – er nutzte die Möglichkeit nicht, welchen zu kaufen (jeder Häftling durfte einmal im Monat für 5 Rubel einkaufen, allerdings ohne Bargeld), sondern sparte das Geld für sein künftiges Leben, das, wie er wusste, an einem 13. Mai beginnen sollte; daher hatte sich Arkadi zum klassischen Schnorrer, einem sogenannten »Schützen«, entwickelt, das heißt zu einem bescheidenen Erpresser von Machorka. Hinsichtlich dieser Tatsache war die Raucherschaft der »Zone« gespalten: Die Mehrheit bildeten die, die Arkadi unter keinen Umständen Machorka abgeben würden, und eine verschwindende Minderheit waren jene, die ihm unter der Last der Umstände hin und wieder etwas gaben.
Man konnte beide Parteien verstehen, denn in der »Zone« musste man mit allem haushalten, und wer Arkadi etwas von seinem Machorka überließ, beraubte sich eines Vergnügens und verlängerte so die eigene Haftzeit. Damit will ich sagen, dass wir die Minuten des Behagens, die der Machorka uns bereitete, mit der Freiheit assoziierten.

Pressestimmen

»Lewan Berdsenischwili jedenfalls schreibt – anders als seine großen Vorgänger – mit leiser Ironie über die letzten Jahre des Gulag.«
Holger Heimann, Deutschlandfunk, 26. September 2018

»[…] eine Hommage an die Menschlichkeit.«
Cornelia Zetzsche, Diwan – Bayerischer Rundfunk, 23. September 2018

»›Heiliges Dunkel‹ ist ein Buch, in dem derbe Flüche und fein ziselierte Ironie harmonisch zusammenfinden.«
Maik Söhler, Amnesty Journal, 10/11.2018

»Zwangsgemeinschaft der Hochbegabten: Lewan Berdsenischwili schreibt mit seinen GULag-Erinnerungen ›Heiliges Dunkel‹ eine erstaunliche Gefängniskomödie.«
Kerstin Holm, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. August 2018

»[…] genau die feine Unterhaltung, verpackt in zahlreiche Zitate, die zum fundierten Einführungsexkurs der großen weiten Weltliteratur, Kultur und Geschichte führen, prägen das kostbare Werk […].«
Amanda Beser, Read Ost - Der Blog für mittel- und osteuropäische Literatur und Kultur, 12. August 2018

»Berdsenischwili weiß, dass sich mit Humor und seiner unerschütterlichen Gelassenheit vieles leichter erzählen lässt. Beides schützt zudem vor Bitterkeit.«
Andreas Fanizadeh, taz, 9. Juni 2018

»Ein ironisches, wehmütiges Buch an eine Zeit der Entbehrungen und Erniedrigungen, aber auch des bereichernden Austauschs mit außergewöhnlichen Weggefährten, die sich nach ihrer Zeit im Gulag bald in alle Himmelsrichtungen zerstreut haben. Dank der tollen Übersetzung von Christine Hengevoss und ihrer klugen Anmerkungen zu den kulturellen und zeitgeschichtlichen Hintergründen lässt sich das Buch auch dann sehr gut lesen, wenn man die Sowjetzeit nicht mehr (bewusst) miterlebt hat.«
blaustrumpfine, lovelybooks.de, 16. Mai 2018

»Starkes Buch, der Leser wankt zwischen Tränen des Mitleids und der Freude über herrlich komische Geschichten.«
Frank Willman, kulturexpresso.de, 25. April 2018