Ecker, Christopher: Madonna

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Verkaufspreis24,00 €

Beschreibung

Christopher Ecker
Madonna
Roman

464 S., geb. mit SchU
ISBN 978-3-89812-463-8

»Buch des Jahres 2007« des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Rheinland-Pfalz e.V.

Ein Mann erzählt, wie er auf dem Weg ins Büro ein kleines Mädchen überfährt. Aus einer Übersprungshandlung heraus versteckt er den Leichnam im Kofferraum seines Wagens und fährt zurück nach Hause. Er versucht sich mit Musikvideos von Madonna, die er abgöttisch verehrt, zu beruhigen, bis ihm klar wird, dass er die Leiche verschwinden lassen muss – ganz wie ein Verbrecher, der einen kaltblütigen Mord begangen hat.
Ein Freund, den er als Helfer hinzuzieht, entwickelt einen Plan unter Anleitung von Thomas de Quinceys Schrift »Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet«. Die Männer finden die perfekte Lösung. Der Erzähler scheint sein Glück gefunden zu haben und schreibt viele Jahre später für die Person, der er dieses Glück zu verdanken glaubt, den Roman seines Lebens – der noch weitaus tiefere Abgründe offenbart.
Christopher Ecker zeichnet in »Madonna« nicht nur ein schockierendes Psychogramm, sondern legt zugleich einen akribisch beobachteten Zeitroman vor, der im Jahr 2000 spielt, dem Jahr, in dem Madonna ihr Album »Music« veröffentlichte.

Autor

Christopher Ecker, geboren 1967 in Saarbrücken, lebt und arbeitet in Kiel. Er wurde 2005 mit dem Gustav-Regler-Förderpreis des Saarländischen Rundfunks ausgezeichnet. Zuletzt erschien unter dem Titel »Der Hafen von Herakleion« eine Sammlung von Erzählungen. 2015 wurde Ecker mit dem Friedrich-Hebbel-Preis ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Obwohl Eckers Roman kein Krimi ist, gelingt ihm eine ungeheure Spannung. Meine Bewunderung für seinen Roman -- und die eindringliche Empfehlung: Unbedingt lesen!«
Laudatio anlässlich der Verleihung des Preises »Buch des Jahres 2007« 

»Mit Madonna hat Christopher Ecker einen kunstvoll konstruierten und auf hohem stilistischen Niveau gestalteten, gegenwartsgesättigten Kriminalroman vorgelegt. Der Erzähler schildert darin die Vertuschung einer Tat nach ästhetischen Gesichtspunkten und der Maßgabe, dass Überraschung ein wesentlicher Bestandteil des Ästhetischen sei. Dieses Verfahren mag, wie der Autor selbst einräumt, von manchen Lesern unter moralischen Aspekten als ›Zumutung‹ empfunden werden -- allein: Moral ist kein Maßstab für Literatur.«
Begründung der Jury für die Vergabe des Preises

»Madonna ist mehr als das Psychogramm eines kaputten Typen, auch mehr als der sprachlich exzellente und von Ideen beinahe berstende Kriminalroman eines 40-Jährigen. Christopher Ecker gelingt eine alle Liebhaber des Fiktionalen fesselnde Studie über das Wesen des Schreibens, der Literatur schlechthin. Ein schräger, aber herausfordernder und kluger Roman.«
Die Welt

»Ein verstörendes, stilistisch ausgefeiltes Buch. Schwer erträglich und faszinierend zugleich, dazu von stilistischem Glanz ist dieses Buch, das den Wahrheitsbegriff, an dem sich bislang noch alle Philosophien die Zähne ausgebissen haben, ad absurdum führt.«
Kieler Nachrichten

»Eine ›Zumutung‹ nennt der gebürtige Saarbrücker sein Buch in einer Nachbemerkung. Eine lesenswerte Zumutung.«
Saarbrücker Zeitung

Leseprobe

Im Parkhaus roch es nach Parkhaus. Ich öffnete den Kofferraum, um die angestaute Luft raus- und etwas kühlere Parkhausluft reinzulassen. Der Ranzen war umgefallen; ich stellte ihn wieder aufrecht hin. Das Mädchen sah friedlich aus, entspannt. Ihre Wangen fühlten sich nicht so warm an wie der Ledergriff des Ranzens, und erst jetzt bemerkte ich ihre blauen Augen und den Aufdruck auf ihrem weißen Sweatshirt – ein gelbes Warnschild mit einer plumpen Tiersilhouette und dem Text: WOMBAT, darunter: NEXT 5 km. Ich überlegte eine Weile, ob ich ihr die Augen schließen sollte, entschied mich dagegen, schlug den Kofferraumdeckel zu, prägte mir die Nummer des Standplatzes ein: M41, zog am Ausgang des Parkhauses eine Dose Cola an einem Automaten und hielt sie mir, wie ich es aus schlechten Filmen kannte, ins Genick, an die Stirn, die Wangen, das Kinn und trank sie erst nach einigen Minuten aus und betrat, einen Rülpser durch die Nase zischend, das kühle Foyer; betrat es in angeschlagener Verfassung. Auch wenn es vielleicht nicht den Eindruck erweckt, hatte mich der Unfall innerlich völlig aufgewühlt. Ansonsten hätte ich mir niemals etwas ins Genick und ins Gesicht gehalten, was jemand, der Automatenbefüller nämlich, in der Hand gehabt hatte. Ein Wombat-Warnschild! Was waren das für Eltern, die ihrer Tochter erlaubten, etwas derart Blödes anzuziehen?