Grafe, Roman: Spaß und Tod

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Verkaufspreis30,00 €
Produkt Verfügbarkeitsdatum: 05.02.2019

Beschreibung

Roman Grafe
Spaß und Tod
Vom Sportwaffen-Wahn – Opfer, Täter, Lobbyisten
Sachbuch

ca. 704 Seiten, Br., 160 × 240 mm, s/w-Abb.
ISBN 978-3-96311-128-0

ET: Februar 2019


Ein brisantes Thema, das uns alle angeht

Erfurt, Winnenden, Utøya – groß ist das öffentliche Entsetzen nach jedem Amoklauf eines Sportschützen. Und kurz. Dafür sorgen die Propagandisten der Schützen-Verbände und die ihnen hörigen Politiker. Und wieder verdrängen die für einen Moment beunruhigten Bürger die Gefahren tödlicher Sportwaffen. Bis zum nächsten Massaker.
Roman Grafe legt diesen Kreislauf aus kollektivem Egoismus, Ignoranz, fehlendem Mitgefühl und immer neuen Sportschützen-Opfern offen. Der Autor hat nach jahrelangen Recherchen erstmals Ursachen und Folgen des Sportwaffen-Wahns umfassend dokumentiert. Er beschreibt die Geschichte des laschen Waffenrechts und der Privatwaffen-Morde in Deutschland und weltweit.
Zudem zeigt Grafe auf, wie es in drei demokratischen Rechtsstaaten gelang, die Waffengesetze wirksam zu verschärfen. Und wie in Deutschland allein die Initiative »Keine Mordwaffen als Sportwaffen!« seit dem Winnender Schulmassaker 2009 für ein Verbot tödlicher Sportwaffen, egal welchen Kalibers, kämpft.

Autor

Roman Grafe, geb. 1968, ist Autor, Journalist und Filmemacher. Er arbeitete u. a. für die ARD, die »Süddeutsche Zeitung«, die »FAZ« und »Die Zeit«. Am Tag des Winnender Schulmassakers im März 2009 war Grafe Mitbegründer der Initiative »Keine Mordwaffen als Sportwaffen!«, deren Sprecher er ist. Ziel der Initiative ist das Verbot tödlicher Sportwaffen. 2009 und 2016 sprach er als Sachverständiger für Waffenrecht im Deutschen Bundestag. Die »Winnender Zeitung« nannte Roman Grafe »den wohl streitbarsten Kämpfer in dieser Republik für ein strengeres Waffengesetz«.

Leseprobe

Vor einem Jahr hat sich Tim K. auf eigenen Wunsch in der Jugendpsychiatrie Weinsberg wegen des Verdachts auf Depressionen untersuchen lassen. Wenn es ihm nicht gut gehe, komme ihm »die ganze Welt schlecht« vor, hat er der Therapeutin gesagt. Häufig habe er auch »Gedanken, andere umzubringen, zum Beispiel alle Menschen zu erschießen«. Er erschrecke dann vor seinen eigenen Gedanken und lenke sich durch Computer-Spiele ab.
Zwei Wochen darauf hat ihn sein Vater mitgenommen in den Schützenverein, um den Jungen »ein bisschen unter die Leute zu bringen«. Dort hat er seinem Sohn das Schießen mit einer Beretta-Pistole beigebracht.
Die Beretta liegt in dieser Vollmondnacht an ihrem üblichen Platz: im Schlafzimmer der Eltern, im Wäscheschrank des Vaters, hinter einem Stapel Pullover. Ein Stück kaltes Metall, 22 Zentimeter lang, 14 hoch, 4 breit. 
Winnenden, etwa zwanzig Kilometer nordöstlich von Stuttgart, rund 27.000 Einwohner. Rundum Weinberge, Wald und Streuobstwiesen. Eine bunte Altstadt, ordentlich, gepflegt und sauber. Im Mai ist »Winnender Wonnetag«, im August feiert man »Winnender Weintage«.
»Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn bei uns ein Amoklauf passiert«, hat die 15-jährige Jennifer Schreiber, Schülerin der Albertville-Realschule, Anfang März 2009 zu ihrer Freundin gesagt. – »Nicht bei uns, nicht hier in Winnenden.«