Jacobs, Olaf (Hg.): Die Staatsmacht, die sich selbst abschaffte

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Verkaufspreis25,00 €

Beschreibung

Olaf Jacobs und Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Hg.)
Die Staatsmacht, die sich selbst abschaffte
Die letzte DDR-Regierung im Gespräch
Interviews

448 Seiten, Broschur, 135 × 210 mm, Farbabbildungen
ISBN 978-3-95462-988-6

Erschienen: Februar 2018


Die Wiedervereinigung: Was ging, was nicht?

Weltweit gibt es kein Referenzbeispiel für das, was 1990 auf die Deutschen in Ost und West zukam: die Wiedervereinigung eines mehr als 40 Jahre geteilten Landes. Wie macht man das? 
Es beginnt ein Prozess des Aufbruchs – vital, energisch, voller Ideen, aber auch des Irrlichterns, der Widersprüchlichkeiten, Enttäuschungen. Was wird aus dem Eigentum im Osten, was mit den Arbeitsplätzen? Was heißt »Rückgabe vor Entschädigung«? Und – wer zahlt die Zeche? Außenpolitisch steigt der Druck, wird das Zeitfenster enger. Wie lange kann Gorbatschow, der sowjetische Partei- und Staatschef und Befürworter der deutschen Einheit, sich noch halten? 
Das Buch enthält Interviews mit den ostdeutschen Akteuren der damaligen Zeit. Basis sind Gespräche, die 25 Jahre nach der Wiedervereinigung mit Ministerinnen und Ministern sowie einigen Staatssekretären der letzten DDR-Regierung geführt wurden. Sie alle geben offen, kritisch – auch in Bezug auf sich selbst – und sehr persönlich Einblicke in ein zeithistorisches Kapitel, das zu den ungewöhnlichsten, spannendsten und emotionalsten der deutschen Geschichte gehört. 

Herausgeber

Olaf Jacobs, geb. 1972, Regisseur, Film- und Fernsehproduzent. 1993–1995 Redakteur beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. 1996 Mitgründung der Hoferichter & Jacobs GmbH, seit 1999 alleiniger Geschäftsführer. Zudem Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten und Hochschulen, seit 2014 Honorarprofessor am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. Jacobs ist Mitglied der Deutschen und der Europäischen Filmakademie.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wurde 1998 vom Deutschen Bundestag mit einem fraktionsübergreifenden Beschluss ins Leben gerufen, um die Auseinandersetzung mit den kommunistischen Regimen in Europa langfristig zu sichern und an der Aufarbeitung von Diktaturen im internationalen Maßstab mitzuwirken. Seit 1998 wurden durch die Bundesstiftung rund 3.000 Projekte der historisch-politischen Bildungsarbeit, Archiv- und Dokumentationsprojekte, Ausstellungen, Dokumentarfilme sowie Publikationen und Vorhaben der Verbände der Opfer der SED-Diktatur unterstützt. In ihren Stipendienprogrammen hat die Bundesstiftung Aufarbeitung seit 2001 rund hundert junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefördert.

Leseprobe

Was war das für ein Moment, als Sie zum ersten Mal in Ihr Ministerium kamen? Wie ist man Ihnen da begegnet? Diese Leute waren doch die personifizierte Macht des alten Staates …
Ja. Aber diese Leute haben mir zugehört, haben nicht versucht, irgendwie Widerstand zu organisieren, weil sie vielleicht in ihren Familien auch Menschen hatten, die so gedacht haben wie ich. Man muss sich auch erinnern, dass die Polizei ja aus diesen Wendemonaten nicht ganz ungerupft herausgekommen ist. Mir ist dann Unmoral vorgeworfen worden, weil ich keine Generäle rausgeschmissen habe. Das konnte ich doch einfach gar nicht. Ich konnte doch nicht mit Eppelmann und den Pastoren und den Friseuren und den Tierärzten Sicherheit organisieren oder mit den durchgeknallten Weibern von Bündnis 90/Grüne, das ging einfach nicht. Auch Sicherheit zu organisieren ist ein Handwerk. Das muss man gelernt haben. Ich habe die Kampfgruppen entwaffnet, ich habe die Polizei, ich habe die Grenzgruppen entwaffnet und so weiter und so fort. Alle diese Waffen sind nie benutzt worden, nicht ein einziges Mal. (Gespräch mit Peter Michael Diestel, ehemaliger Innenminister)

Pressestimmen

»Ein lesenswertes Dokument, das eine einschneidende Zäsur deutscher Geschichte beschreibt.«
Gregor Hantusch, F.F. dabei, 12.2018

»Mit diesem Werk wird ein enges Zeitfenster der jüngsten deutschen Geschichte noch einmal geöffnet.«
Manfred Orlick, Das Blättchen, 8.2018

»Man kennt die großen Linien der Geschichte, aber die kleinen Details sind es, die noch einmal nacherleben lassen, wie in diesen wenigen, überhitzten Tagen Geschichte geschrieben wurde. Das macht das Buch sehr lesenswert.«
Paul Stänner, Deutschlandfunk-Kultur Lesart, 14. April 2018

»›Die Staatsmacht, die sich selbst abschaffte‹ zeigt einen in der Historie einmaligen Vorgang aus der Innensicht.«
Steffen Könau, Berliner Zeitung, 5. April 2018

»Was die gesammelten 17 Interviews zeigen, ist die Tatsache, mit wie viel Selbstbewusstsein die letzte DDR-Regierung in den Einigungsprozess gegangen ist. Und dass es wohl wirklich an der Zeit ist, mit den alten Kohl-Legenden aufzuräumen.«
Ralf Julke, Leipziger Internet Zeitung, 4. April 2018

»Die Interviews von Olaf Jacobs bieten ein lebendiges Bild der Übergangsregierung, die, wie es der Buchtitel besagt – darauf bedacht war, sich möglichst bald selbst abzuschaffen und nicht von Vereinigung, sondern von Anschluss spricht.«
neues deutschland, Buchmessebeilage, 15. März 2018