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Dittrich, Volker: Paradies am Rande Europas

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Verkaufspreis18,00 €

Volker Dittrich
Paradies am Rande Europas
Impressionen aus Georgien von 1992 bis 2017

320 S., Br., 135 × 210 mm, Farbabb.
ISBN 978-3-96311-008-5

Erschienen: Juni 2018


Fesselndes Porträt eines fragilen Traumlandes

Als Volker Dittrich 1992 das erste Mal Georgien besuchte, hatte das Land gerade seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärt. Kurz darauf war es in einem Bürgerkrieg versunken und hoffte auf Rettung durch den ehemaligen Außenminister der Sowjetunion Eduard Schewardnadse. Von da an ließ das Paradies am Rande Europas den Autor nicht mehr los, und er fand dort enge Freunde. In den letzten 25 Jahren hat er vor Ort viele Interviews mit Georgiern aus verschiedensten Regionen und Bevölkerungsschichten geführt. Sie geben Einblick in die Entwicklung Georgiens, Auskunft über seine Geschichte, Wirtschaft, Religion, Kunst und Literatur wie auch in die Veränderung der Lebenssituation der Menschen bis heute. Die letzte in diesem Buch beschriebene Reise führte Volker Dittrich in die Bergregion Tuschetien im Hohen Kaukasus. Er beschreibt die Wanderung entlang der russisch-tschetschenischen Grenze, die Überwindung des 3.500 Meter hohen Azunta-Passes und den Abstieg in der Region Chewsuretien. Ein unglaubliches Natur­erlebnis, das für alle Strapazen dieser Wanderung entschädigt.


Volker Dittrich, geb. 1951 in Fleestedt bei Hamburg, Journalist und Autor von Romanen, Sachbüchern, Dokumentarfilmen und Hörfunkfeatures für den DLF, NDR, MDR, SWR, zuletzt »Wir sind Profis für Versöhnung und Verständigung – Schriftsteller auf dem Balkan« (DLF, 2016). Von 1990 bis 2015 war er Verleger des Dittrich Verlags.


Es habe 2003 eine Aufbruchsstimmung gegeben nach der großen Frustration der letzten Jahre, erzählt Nino. Strategielos und ohne jegliche Vision sei das Schewardn­adse-Regime gewesen. Auch sie habe Micheil ­Saakaschwili unterstützt. Sein Stil war erfrischend, obwohl für sie auch damals schon zu viel Effekthascherei dabei war. Aber Mischa war schon immer sehr charismatisch gewesen. Für ihren Geschmack aber ein bisschen zu phlegmatisch. Was hat er Positives für Georgien erreicht? Er hat erst einmal Georgien von diesem typischen Bild von Stalin und Schewardnadse gelöst. Das wurde fast ausschließlich mit Georgien assoziiert. Darunter habe sie als junge Frau sehr gelitten, wenn sie in Deutschland war.
In sehr kleinen Kreisen kannte man vielleicht noch die georgischen Filmemacher und Schauspielerinnen. Denen sei sie damals dankbar dafür gewesen. Und später den georgischen Fußballspielern, die erfolgreich in Deutschland spielten. Und Saakaschwili habe erreicht, dass Georgien auch auf dem Radar westlicher Länder auftauchte. Die Rosenrevolution war zwar ein Umsturz, aber ein friedlicher, bei dem niemand zu Schaden gekommen sei.


»Eine wunderbare Reise durch das Georgien der letzten 25 Jahre, seine politischen Wechsel und die damit verbundenen Veränderungen der Lebenssituation seiner Bewohner.«
Georgia Insight, 27. Juni 2018


Was begeistert Sie besonders an der georgischen Kultur?
Die georgische Kultur hat sich über einen sehr langen Zeitraum entwickelt. Sie hat eine eigene Sprache und ein eigenes Alphabet und eine lange literarische Tradition. Die Menschen kennen ihre Wurzeln und schöpfen ihre Kraft daraus. Sie sind stolz auf ihre Geschichte und vermitteln sie gern ihren Gästen. Vielleicht hat mich das als Deutscher, der als Nachkriegskind mit der jüngsten deutschen Geschichte zu kämpfen hat, besonders beeindruckt. Die Georgier schwärmen von ihren zahlreichen Kulturdenkmälern, ihren Kirchen, ihrer abwechslungsreichen Landschaft und Natur, dem traditionellen Essen, ihrem Brot und ihrem Wein, der in einem der ältesten Weinanbaugebiete der Welt hergestellt wird. Sie können ihre Gäste mit ihren mehrstimmigen Gesängen mitreißen, die sie wie selbstverständlich anstimmen, wenn man am großen Tisch zusammensitzt, isst und trinkt. Ich habe das Glück, seit 26 Jahren georgische Freunde zu haben, die mir ihre Kultur nahebrachten. Durch sie erfuhr ich aber auch von den Schattenseiten nach der Unabhängigkeit Georgiens 1991. Die meisten Georgier mussten über zehn Jahre um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen, viele auch noch heute. Seitdem bewundere ich besonders die georgischen Frauen, die mit viel Energie und Einfallsreichtum ihre Familien ernähren und nicht wenige von ihnen, indem sie für einige Zeit Georgien verlassen haben, um im Ausland zu arbeiten.

Warum haben Sie sich gerade die Strecke über den Azunta-Pass für Ihre Wanderung ausgesucht? Gab es einen bestimmten Grund?
Nach einer längeren Reise durch mehrere Regionen des Landes wurde ich immer wieder von Georgiern gefragt, was mir am besten in ihrem Land gefallen habe. Ich musste nicht lange überlegen: die Bergwelt Swanetiens und besonders der traumhafte Ort Uschguli mit seinen alten Wehrtürmen. Nach einem zufriedenen Lächeln und einem zustimmenden Nicken sagten dann, nach einer kleinen Pause, aber alle: Dann warst Du aber noch nicht in Tuschetien. Und alle begannen zu schwärmen. So buchte ich eine geführte Trekkingtour von dem malerischen Ort Omalo in Tuschetien entlang der russisch-tschetschenischen Grenze zum 3.500 Meter hoch gelegenen Azunta-Pass und dem Abstieg in die Bergwelt Chewrusetiens. Nach drei Tagen Wanderung mit Zelten und Packpferden, als es keine bewohnten Orte mehr gab, die Wanderung anstrengender und die Luft immer dünner wurde, war mir klar, dass die meisten, die mir von Tuschetien vorgeschwärmt hatten, mit dem Auto in eines der Bergdörfer gefahren waren, aber niemals selbst eine solche Wanderung erlebt hatten. Trotzdem bin ich ihnen dankbar. Denn ihretwegen habe ich ohne groß darüber nachzudenken, eine der schönsten Landschaften gesehen und erlebt und eine meiner größten körperlichen Anstrengungen durchgestanden, die bei mir sehr viel neue Energien freigesetzt haben.

Würden Sie eine Reise nach Georgien empfehlen?
Unbedingt. Und zwar möglichst bald, denn Georgien wird mehr und mehr als Urlaubs- und Reiseland entdeckt. Es gibt sehr gute Reiseagenturen die geführte Gruppenreisen anbieten. Man kann sich aber auch bei ihnen Touren nach persönlichen Wünschen selbst zusammenstellen. Auch auf eigene Faust kann man das Land entdecken. Private Kleinbusse, sogenannte Marschrutkas, fahren überall hin, aber auch normale Busse. Und mit der Bahn kann man von der Hauptstadt Tbilissi mit bestem WLAN Empfang bis zum Schwarzen Meer reisen. Persönlich empfehle ich, in privaten Apartments (airbnb) zu wohnen, die immer mehr Georgier in ihren Privathäusern anbieten. So erlebt man ein sehr authentisches Georgien. Aber das muss man mögen. Wer es gern ein wenig luxuriöser hat, Hotels gibt es ebenfalls genug. Ob Georgien ein sicheres Reiseland sei, werde ich immer wieder gefragt. Ja, in Georgien können Touristen sehr sicher reisen. Der Gast wird in Georgien, traditionell und meist auch heute noch, als Geschenk empfunden.

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