Minner, Katrin: Was bleibt von der Stadt der Bürger?

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Verkaufspreis39,00 €

Beschreibung

Katrin Minner
Was bleibt von der Stadt der Bürger?
Stadtbilder in den Stadtjubiläen der Region Sachsen-Anhalt (1893–1961)
Studien zur Landesgeschichte, Bd. 22
Zugl. Diss., Univ. Halle 2006

400 S., geb., mit s/w-Abb.
978-3-89812-712-7

 

Durch die verstärkte Hinwendung zur lokalen Vergangenheit erlebte der Festtyp Stadtjubiläum im Kaiserreich den Beginn seiner Erfolgsgeschichte, die bis heute ungebrochen anhält. Die Jahrhundertfeiern präsentieren Stadtbilder, die Eindrücke von herrschenden Werten, Normen und Mentalitäten geben können. Diese entstehen nicht zufällig, sondern sind eng mit den sozialen Führungsschichten der Stadt verbunden.
Die Städte des 19. Jahrhunderts waren geprägt von der Sozialformation des Bürgertums. Somit bestimmten dessen Bilder der Stadt und dessen Wertehimmel die Feste der Zeit. Das 20. Jahrhundert samt seiner politischen Zäsuren ging mit starken sozialen Veränderungen in den Städten einher. Das Bürgertum verlor zunehmend seine Deutungshoheit. Die Weimarer Republik bot – zumindest auf politischer Ebene – die Chance einer Demokratisierung, welche mit dem Einflussverlust des bürgerlichen Honoratiorenregiments einhergehen konnte. Der Nationalsozialismus und der Sozialismus gelten als Systeme, in denen eine Auflösung des Bürgertums forciert wurde. Zu fragen ist daher, wie sich die Feste veränderten, als sich die in ihnen abbildende Gesellschaft wandelte, und inwieweit sich eine solche »Entbürgerlichung« in den Jahrhundertfeiern bzw. in den thematisierten städtischen Bildern niederschlug.
In der Studie wird in einem Längsschnitt vom Ende des 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die Veränderung von Stadtbildern und sozialer Ordnung über die politischen Zäsuren hinweg nachvollzogen. Am Beispiel der Stadtjubiläen wird untersucht, ob eine solche »Entbürgerlichung« auch für die Stadtbilder zutraf oder ob bürgerliche Werte und Bilder eine solche Verallgemeinerung fanden, dass diese bei den Zeitgenossen mental fest verankert und als selbstverständliche Teile städtischer Identität angenommen wurden.
Als räumliche Basis liegt die Region Sachsen-Anhalt zugrunde: die ehemalige preußische Provinz Sachsen (ohne den Regierungsbezirk Erfurt) und das Land Anhalt. Am Beispiel dieser Region werden anhand einer Reihe von Jahrhundertfeiern Stadtbilder des politisch determinierten Zeitraums vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus mit einem Ausblick auf die DDR betrachtet – am Beispiel der Stadtjubiläen: Neuhaldensleben (1823), Wittenberg (1893), Zerbst (1907), Quedlinburg (1922), Neuhaldensleben (1923), Naumburg (1928), Wernigerode (1929), Salzwedel (1933), Merseburg (1933), Tangermünde (1933), Staßfurt (1934), Weißenfels (1935), Calbe (1936), Bernburg (1938) und Halle (1961).
Dr. Katrin Minner konnte am 8. November 2010 den mit 5.000 € dotierten Preis der STIFTUNG PRO CIVITATE AUSTRIAE des Österreichischen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten zum Thema der vergleichenden Städtegeschichte aus dem Bereich Mitteleuropas) in Linz entgegennehmen. Prämiert wurde die von Prof. Dr. Werner Freitag, Münster, betreute Dissertation mit dem Titel »Was bleibt von der Stadt der Bürger?«, die hier als Band der Reihe Studien zur Landesgeschichte vorliegt.

AUTORIN

Dr. Katrin Minner, geb. 1972, in Bielefeld, Studium der Fächer Geschichte, Germanistik, Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität Bielefeld, Magisterarbeit zum Thema »Zwischen Tradition und Modernität. Ortsjubiläen in Westfalen im Dritten Reich«, 1998–2001 Anstellung als Historikerin bei der Stadt Gütersloh im Fachbereich Kultur zur Erarbeitung der Stadtgeschichte, 2001–2007 wiss. Mitarbeiterin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, seit April 2007 Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Koordination der Schnittstelle Geschichte & Beruf.

PRESSESTIMMEN

»Katrin Minner greift in ihrer Studie die Frage nach der gesellschaftlichen und kulturellen Wirkungsmacht von Bürgertum auf. Minner bestätigt  mit ihrer Studie die kulturelle und damit auch politische Bedeutung von Stadt in Gesellschaft und Staat über die Systemgrenzen hinweg. Ihre Studie ist zugleich ein grundlegender Beitrag zur Entwicklung von Bürgerlichkeit und Bürgertum.«
Detlev Brunner, VSWG, 99. Band Heft 3 (2012)

»Katrin Minner wirft einen spannenden Blick auf ein zeitenunabhängig populäres Festgenre und liefert zugleich eine feste Grundlage für eine darüber hinaus noch mögliche kritische Einordnung von Jubiläumsfeierlichkeiten nach 1990. Das Buch ist in seiner nachvollziehbaren systematischen Gliederung, mit sich durch den Text ziehenden Leitfragen und auch einem gefälligen Stil gut lesbar. Nicht nur auf dem Forschungsfeld der 'symbolischen Kommunikation' Tätige werden aus ihm einen beträchtlichen Erkenntnisgewinn ziehen.«
Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 57 (2011)