Fracis, Sohrab Homi: Fahrschein bis Minto

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Verkaufspreis19,00 €

Beschreibung

Sohrab Homi Fracis
Fahrschein bis Minto
12 preisgekrönte Geschichten über das Leben der parsischen Minderheit in Indien und von parsischstämmigen indischen Auswanderen in den USA
Aus dem Englischen von Thomas Löschner
Mit Ornamenten von Xenia Leizinger und Helmut Stabe
Bibliothek der Entdeckungen, Bd. 1

Format 13 x 21 cm, geb.
304 Seiten
ISBN 978-3-89812-348-8

 

Ausgezeichnet als »Eines der schönsten Bücher 2006« in der Kategorie »Allgemeine Literatur« im Wettbewerb der Stiftung Buchkunst.

Das Leben in Indien hat viele Gesichter, doch was bedeutet es erst, als Inder in der westlichen Welt zu leben? Zwölf preisgekrönte Geschichten, die vom Aufwachsen unter Hindus, Moslems, Parsen und Christen erzählen, von Auswanderern und Daheimgebliebenen – und vom Spagat zwischen vertrauten und fremden Welten.
In seinen Erzählungen wirft Fracis einen realistischen, oft humorvollen Blick auf das Leben in Indien und auf die Erfahrungen indischer Immigranten in Amerika. Er beschreibt den Weg der Selbstfindung seiner Protagonisten im Zwiespalt der Kulturen. Die Charaktere seiner sorgfältig gezeichneten Porträts fühlen sich hin und her gerissen zwischen östlicher Tradition und westlicher Lebensweise. Fracis erweist sich als brillianter Erzähler, hat ein bewundernswertes Talent, Indien in all seinen Facetten zu beschreiben, und schildert sehr subtil und lebendig, wie seine Figuren inmitten des kulturellen Dilemmas zu Außenseitern werden, sowohl im eigenen Land - als Angehörige einer ethisch und religiös isolierten Minderheit - wie auch als Immigranten in Amerika. Seine Sprache ist dabei so schillernd wie Indien selbst und entführt den Leser auf eine Reise zwischen zwei Kontinenten. Darüber hinaus ist der Erzählband von Sohrab Homi Fracis Zeugnis dafür, wie zufriedenstellend diese literarische Form sein kann.

AUTOR

Sohrab Homi Fracis, Jahrgang 1958, geboren und aufgewachsen in Bombay, siedelt 1985 in die USA über. Nach dem Studium Dozent für Literatur und Creative Writing an der University of North Florida. Für sein Debüt »Fahrschein bis Minto« erhielt er im Jahr 2001 als erster indischer Autor den renommierten »Iowa Short Fiction Award«. Er lebt in Jacksonville/Florida.

PRESSESTIMMEN

»Das Ornamentale lädt ein, über den Geschichten und Worten ins lichte Weite zu meditieren.«
Herbert A. Gornik, Die schönsten deutschen Bücher 2006 (Katalog)

»In diesem 2001 erschienenen Erstlingswerk, einer Sammlung von Kurzprosa in bester anglofoner Tradition, kombiniert [Fracis] fernöstliches Karma am mächtigen Ganges (›Fahrschein bis Minto‹) mit dem zwiespältigen Idyll der amerikanischen Kleinstadt am Mississippi (›Der Mark-Twain-Aussichtspunkt‹). Es sind gelassene und zugleich komplexe Erzählungen, die den Wunsch der - meist stolzen - männlichen und - eher tragischen - weiblichen Protagonisten an die Oberfläche spülen, sich von der Tradition zu befreien (›Die heilige Kuh‹), und ihre Identität als Fremde in der Fremde dennoch zu wahren (›Hasenpfote‹, ›Der Streuner‹). Es sind liebevoll inszenierte Ereignisse, in denen das Streben des Jungen nach Anerkennung, Liebe und Selbstbewusstsein in einer Gesellschaft, die von manchmal mehr, manchmal weniger klaren (berechtigten?) Autoritäten geprägt ist, auf gefühlsstarke Weise reflektiert (›Altes Feuer‹, ›Hamid beim Friseur‹) oder humorvoll hinterfragt wird (›Wer ist dein Meister?‹).«
Lilian-Astrid Geese, Neues Deutschland

Leseprobe

Jedes Jahr im Dezember brennt ein Feuer auf den Hängen von Khandala. Die Bauern der Bergstation leben so, wie es die Menschheit schon seit Urzeiten getan hat: von dem, was die Erde gibt. Ohne Furcht vor der Dürre bauen sie auf den Hängen nahe dem Rajmichi Point Hirse und Wurzelgemüse an – zwischen Juni und September bringen die Monsunwinde Regengüsse nach Khandala, die der Luft und dem Boden die Hitze des Sommers ausdünsten und alles in glitzerndes Jadegrün verwandeln. Monate später, im Dezember, vor der Aussaat des nächsten Jahres, zünden die Bauern nachts das Unterholz an, das die Hänge erwürgt, brennen es nieder und lassen nichts als fruchtbare Asche davon zurück. Aus irgendeinem Grunde fangen die Bäume, die im Lauf der Flammen stehen, niemals Feuer; sie wachsen einfach weiter, ihre Kronen in noch unerreichbarerer Höhe als zuvor. Städter, die aus ihren flachen Häusern treten, um die kühle Nachtluft zu atmen, wittern einen Hauch des brennenden Unterholzes und sehen hinauf. Als Silhouette vor dem indigoblauen Himmel kriecht ein langes, flaches Feuer über den Gipfel der Berge, das die Senken und Kämme umschlingt wie eine leuchtende Schlange.