Winzer, Peter: Die Sinnlichkeit des Barbaren

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Verkaufspreis9,90 €

Beschreibung

Peter Winzer
Die Sinnlichkeit des Barbaren
Gedichte
Mit Grafiken von Susanne Berner
mdv lindenblatt

144 S., Br.
ISBN 978-3-89812-491-1

 

Mal brutal und hocherotisch, mal verträumt oder humoristisch – Winzers Gedichte sind unartistisch und direkt

»Die Sinnlichkeit des Barbaren« ist ebenso schockierend wie authentisch, verstörend wie fesselnd. Mal brutal und hocherotisch, mal verträumt oder humoristisch – Winzers Gedichte sind unartistisch und direkt. Er ist Kannibale, Zuhälter und Berufskiller, Liebhaber sowie Arbeiter. Seine Gedichte erinnern zu Recht an die alten Zeiten des Rock ’n’ Roll, gepaart mit neuesten schwarzen und Schwermetall-Balladen. Sie pulsieren, sind zugänglich, realistisch und in einer Sprache verfasst, die sich jedem erschließt.

Autor

Peter Winzer, geb. 1959 in Halle (Saale), Ausbildung zum Instandhaltungsmechaniker, danach u.a. Tätigkeiten als Friedhofsgärtner, Filmvorführer, Techniker bei einer Jazzband. 1985/86 mit Matthias Baader Holst Herausgeber der Untergrundzeitschrift »Galeere«. 1993–1997 Studium der Sozialpädagogik. Seit 1990 verschiedene Veröffentlichungen von Lyrik.

Pressestimmen

»Selten zuvor ist hierzulande das Private, Soziale und Landschaftliche so selbstverständlich vereint worden wie bei Winzer. Das Leben, das er zeigt, ist eine haarige Sache. Schöne Verse gelingen ihm. Eine aggressive Entspanntheit waltet, frei von Gefühligkeit.«
Mitteldeutsche Zeitung

Leseprobe

Ich treffe mich

Ich stehe auf der Brücke
die Finger im Geländer verkrallt
das Bauwerk vibriert
wenn Laster fahren
und etwas mag nicht
dass ich hier stehe
zieht Kraft aus meinem Körper
bricht meinen Widerstand.
Ich sehe in das Wasser
es brodelt und kocht
dann klafft es auf
zeigt sein kaltes Auge
kreiselt in die Tiefe
und reißt mich über das Geländer.
Ich rotiere im Strudel
der Grund rast mir entgegen
wirbelt Trübes auf
Zeichen sind darin
Kreuze, Tunnel und Menschen
manche winken
und einen erkenne ich
dann schlage ich auf.
Ich lebe finde den Gang
und an dessen Ende
treffe ich mich.


Wolkenspiel

Du liegst neben mir
das metallene Licht des Mondes
auf der Haut, die Augen geschlossen
lang bewimpert deine
geschlossenen Lider
und lautloser Atem
hebt deine Brust.
Vielleicht schläfst du schon
egal, Hauptsache, du bist.
Und ich dein Fänger und Wächter
starre dich an, gieße meinen Blick
über dich, bin hungrig, will dich holen
aber sehe nur auf deinen Körper.
Wolken schieben sich zwischen
Mond und Erde
zerreißen dein Silbergewand
du drehst dich langsam zur Seite
und tauchst in die Nacht.


Berbers Elegie

Ich hatte mit dir mehr
als mein Talent versoffen.
Doch dich fressen nun die Würmer
und meine Schritte
suchen weiter den Weg.
Jetzt nieselt es, die Steine
glänzen im Dunkel, lächeln kühl den Weg
nach Werweisswohin.
Als du noch neben mir gegangen
war das egal und der Tag ein guter
wenn die Flasche nicht leer.
Aber dich fressen schon die Würmer
und meine Sohlen lecken weiter den Stein
verbrauchen sich zäh
wie die Leben von Katzen.