Reimann, Andreas: Der trojanische Pegasus

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Verkaufspreis9,95 €

Beschreibung

Andreas Reimann
Der trojanische Pegasus
150 ausgewählte Gedichte 1957–2006

21 x 14,8 cm, geb.
264 Seiten
ISBN 978-3-89812-411-9

 

Der Band versammelt Gedichte aus allen Werkphasen des Autors und präsentiert mehr als 50 Erstveröffentlichungen

Andreas Reimann musste in der Öffentlichkeit lange stumm bleiben. Folge seiner Solidarisierung mit dem »Prager Frühling« 1968. Mitten in der Planung des ersten Gedichtbands »Kontradiktionen« wurde er wegen »staatsgefährdender Hetze« zu zwei Jahren Haft verurteilt. In der DDR-Zeit erschienen lediglich zwei Gedichtbände, beide im Mitteldeutschen Verlag. Diese kleinen Bändchen mit Gedichten, von der DDR-Zensur zugebilligt, genügten in den 70er Jahren, um ihn Eingeweihten als eigenständige Stimme der klassischen Lyrik-Moderne bekannt zu machen. Danach wurde dem Dichter wiederum Schweigen verordnet. An das er sich als trojanischer Pegasus niemals hielt.
Dieser Band versammelt Gedichte aus allen Werkphasen des Autors und präsentiert mehr als 50 Erstveröffentlichungen, vor allem aus den Zeiten, da er für seine Leser verstummt schien.

AUTOR

Andreas Reimann, geboren 1946, stammt aus einer Leipziger Künstlerfamilie: Großvater Hans Reimann Kabarettist und Autor der »Feuerzangenbowle«. Vater Peter R. Grafiker, Karikaturist und Autor, Mutter Suse R. Grafikerin. Erste Gedichte brachten schnell Aufmerksamkeit für das »Wunderkind«. 1965 Einladung von Georg Maurer zum Studium ins Leipziger Literaturinstitut. Bereits nach sechs Monaten Exmatrikulation aus politischen Gründen. Von da an Bespitzelung und eingeschränkte Publikationsmöglichkeiten. Werke u.a.: »Zwischen den Untergängen« (2004), »Will an deinen Leib mich fügen« (2005).

Pressestimmen

»Seine Wahrhaftigkeit verdient Ehrfurcht, die verdichtete Empfindsamkeit Respekt, sein Werk Aufmerksamkeit.«
Leipziger Volkszeitung

»Elegien, Sonette, Notate, Lieder, die ein halbes Jahrhundert einfangen, ohne es einzusperren.«
Melodie & Rhythmus

»Reimann ist ein wacher kritischer Geist, der die Wahrheit liebt und auf Ungerechtigkeiten und Gewaltherrschaft sensibel reagiert.«
Zeitpunkt

»Wortgewaltig ist Reimann gewesen und geblieben. Er beherrscht die strengen Formen der Lyrik und macht sie zu seinen wider jede Beliebigkeit. Sie spiegeln die Grenzen im Leben wider; gegen die der Inhalt von innen drängt: der trojanische Pegasus eben.«
kunststoff

LESEPROBE

Aus dem Teil »Nach der Überfahrt« (1990–2000)

ÜBERFAHRT

Als wir, dem Strand zu entkommen,
in die ruder uns legten
(denn schlaff hing das dreifarbne Segel
mit dem loch in der mitten
vom astlosen baume herab),
sahn wir beglückt, wie das ufer
verschwand gleich den lippen, wenn einem
ausfallen die zähne.

O dieser anblick des in der ferne
langsam verschwimmenden bissigen mauls!

Aber wohin wir ruderten stracks:
mit unseren hinterköpfen
sahen wirs nicht.

1990