Schätze lebendiger Vergangenheit. Harz

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Verkaufspreis9,95 €

Beschreibung

Jürgen Westphal
Schätze lebendiger Vergangenheit
Teil 2: Harz
Kulturreiseführer mit einem Briefroman aus dem Zeitalter der Aufklärung
Unter Mitarbeit von Katrin Dziekan und Ute Pott
Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert, Bd. 5/2

184 S., Br., mit Karten, zahlr. hist. Abb. und aktuelle Farbabb.
ISBN 978-3-89812-696-0

 

Die Kulturreiseführer »Schätze lebendiger Vergangenheit« sind Lesebücher und Reiseführer für alle, die den Spuren der Aufklärung durch Sachsen-Anhalt folgen wollen. Sie erzählen in fiktiven historischen Briefen einer jungen Frau aus damaliger Sicht von bedeutenden kulturellen Orten und stellen heutige touristische Ziele vor. Über wichtige Sehenswürdigkeiten mit Adressen, Telefonnummern, Homepages und Öffnungszeiten wird in der Rubrik »Tipps zur Erkundung der Region« informiert.

AUTOR

Jürgen Westphal, geb. 1949 in Quedlinburg, Fernmeldeelektroniker, seit 1997 freier Publizist. Buchveröffentlichungen, Herausgaben, Märchenmusicals, Kinderbücher, Dokumentarfilme, Theaterprojekte mit vorrangig regionalen Bezügen, u.a. »Halberstädter Zeitenreise« und »KaiserBilder – Otto der Große«.

PRESSESTIMMEN

»Die neuen, reich illustrierten Kulturreiseführer Schätze lebendiger Vergangenheit sind Lesebücher und Reiseführer für alle, die den Spuren der Aufklärung durch Sachsen-Anhalt folgen wollen. Die einzelnen Bände sind kein Lexikon, sie begleiten aber den kulturell interessierten Reisenden – im vorliegenden Band durch die Landschaft des Harzes und seiner malerischen Orte.«
Halle-Forum.de, 17.April 2010

»Der Autor hat hier durch den Kunstgriff des Briefromans den Leser in seinen Bann gezogen, der auf unterhaltende und vergnügliche Weise mit Regionen unseres Landes vertraut gemacht wird, Historisches, Biografisches, Soziologisches, Naturkundliches, Geografisches ganz nebenbei aufnimmt. Dem Autor, den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Katrin Dziekan und Ute Pott sowie dem Verlag sind für vier gute und bilderreiche nicht alltägliche Kulturreiseführer zu Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert zu danken. Ich wünsche allen Bänden viele interessierte Leser, die angeregt werden, mehr über unser Land und das Zeitalter der Aufklärung zu erfahren.«
Altmark-Blätter, 17. April 2010

»Neben vielen nützlichen Details bietet der Kulturreiseführer vor allem nachstehende wichtige Erkenntnis: Bei der Harzregion handelt es sich um eine historisch gewachsene Kulturlandschaft. So tut es dem Buch auch gut, dass sein Verfasser wieder und wieder die gegenwärtige Landesgrenze zu Niedersachsen gedanklich überschreitet. Die Harzreisenden des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts taten dies übrigens nicht anders. Allerdings meistens zu Fuß.«
Neue Wernigeröder Zeitung, 10/10

»Jürgen Westphal hat nicht einen x-beliebigen Reiseführer durch das Bundesland verfasst, sondern den Fokus auf 'Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert' gelegt. Farbig, nicht kunterbunt, zeichnet der Autor unterhaltsam und keineswegs mit dem dicken Zeigefinger von Pädagogen und Reiseleitern ein Panorama-Bild der Kulturlandschaft zwischen Altmark und Saale-Unstrut-Region. Die Zeilen verleiten zum Weitersuchen, nach Historischem, nach Lebensspuren, aber auch in der Natur.«
Martini. Das Halberstadtmagazin, Juni 2010

INHALT

Neunzehnter Brief, Juli 1776 (Auszug)

Monsieur Goeze führte uns zu jenem Ort, der dieser ganzen Höhe den Namen gibt: die Rosstrappe. Es ist eine Felsenspitze unmittelbar am schroffen Abgrund, der den Abdruck eines Pferdehufes trägt. […]
Wir kletterten einen beschwerlichen Zickzackweg hinab. Der Pfad war teilweise durch Geröll unsicher und gefährlich. Unten angekommen ist die Schlucht erschreckend eng. Der Fluss braust über Felsbänke und Wasserfälle, mit ungeheurer Kraft. Gischt schäumt hinauf und macht die Luft feucht und kalt. Hier spürt man die unbändige Gewalt der Natur. Vom Westen schoben sich graue Wolkenhaufen vor die Sonne. Es wurde düster im Tal. Ich malte mir aus, wie diese wilde Gegend im Winter aussehen mochte, wenn dicke Eismäntel die Felsen überziehen und bizarre Eiszapfen von den Uferbüschen wie gläserne Säulen in die gefrorene Gischt hängen. Ein schmaler Pfad führt am linken Ufer der Bode hinab zur Jungfernbrücke, über die man zum rechten Ufer der Bode gelangt. Die hölzerne Brücke liegt beiderseits auf vorstehenden Felsplateaus. Sie ist zierlich und graziös, wie eine Jungfer sein sollte, und es geht die Sage, dass unter den Füßen einer ehrlosen Weibsperson, die ihre Jungfräulichkeit nur heuchelt, die Brücke zusammenbricht. Wir überquerten sie guten Mutes. Am anderen Ufer saß auf einem Stein ein grauhaariger Alter. Neben ihm lehnten zwei Krücken an der Felswand. Unter seinem abgetragenen preußischen Grenadiersrock ragte ein hölzernes Stockbein hervor. Als Papa dem Invaliden einen halben Taler gab, erschien plötzlich wie aus dem Nichts ein uraltes gebeugtes Weiblein mit einem großen Tragkorb auf dem Rücken und einem schwarz-weiß gestreiften Tuch um die Schultern. Ihr Gesicht war runzlig wie die Borke eines Kastanienbaumes und so eingefallen, dass ihre Nase noch spitzer und länger wirkte, als sie ohnedies schon war.
„Wünsche einen guten Tag“, sagte die Alte mit knarrender Stimme und war schon wieder hinter dem nächsten Felsvorsprung verschwunden. Auch Monsieur Goeze legte dem Invaliden ein paar Groschen in den Hut. Der Alte blickte ungläubig auf die Münzen, dann bedankte er sich mit einer kleinen Verbeugung.
Über schmale steile Pfade erreichten wir nach einiger Zeit den Gipfel, den man den Hexentanzplatz nennt. Von hier soll die mutige Brunhilde mit ihrem Rosse abgesprungen sein, um drüben die Trappe in den Felsen zu schlagen. Von diesem Tanzplatz hat man einen ergreifend schönen Blick in das vorgelagerte Land, der, ob seiner höheren und freieren Lage, die Aussicht des Rosstrappefelsens noch um einiges übertrifft. Zur Walpurgisnacht sollen hier die Hexen und Teufel Versammlung halten und wüste, unzüchtige Orgien feiern – mit diabolischen Tänzen.