Nicole Glocke
Erziehung hinter Gittern
Schicksale in Heimen und Jugendwerkhöfen der DDR
Nachwort von Stephan Hilsberg

336 S., KlBr, 14,8 x 21 cm, mit s/w-Abb.
ISBN 978-3-89812-782-0
Sie haben keine Lobby, kaum öffentliche Unterstützung. Sie wurden Opfer in der DDR und sind es heute, über Jahrzehnte traumatisiert, noch immer. Rund 300.000 Kinder und Jugendliche kamen über die Jahre in der DDR in Erziehungsheime. Zum Teil ohne Wissen der Eltern oder gegen deren Willen sollten sie, begleitet von massiven Übergriffen, in diesen Heimen »umerzogen« werden. Wer aufbegehrte, erlebte Gewalt. Wer rebellierte, wurde verlegt. Wer gegen die »Regeln« verstieß, kam in den Jugendwerkhof.
Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau, der einzige dieser Art in der DDR, wurde von seinen Insassen als Hölle erlebt und hat sich angesichts der erfahrenen Misshandlungen tief in die Seelen junger Menschen eingebrannt. In diesem Buch berichten Betroffene zum Teil erstmals ausführlich über das Erlebte, und sie offenbaren geradezu schockierende Details. Dabei wird deutlich, dass das in Torgau praktizierte Regime kein Ausrutscher, sondern nur Teil eines perfiden Systems war. Denn auch Erziehung hinter Gittern konnte nicht leisten, was eine ganze Gesellschaft nicht vermochte: Nonkonformität zuzulassen. Insofern ist dieses Buch ein Lehrbuch, ein Buch gegen das Vergessen. Mit einem Nachwort des Bürgerrechtlers Stephan Hilsberg.
Die Autorin
Dr. Nicole Glocke, geb. 1969 in Bochum, lebt und arbeitet als Schriftstellerin in Berlin. Nach dem Studium der Geschichte und Politikwissenschaft sowie einer Promotion arbeitete sie zwischen 1998 und 2002 als Abgeordnetenmitarbeiterin im Bundestag. In ihren Publikationen beschäftigt sie sich vor allem mit deutsch-deutscher Zeitgeschichte.
Pressestimmen
»Dieses Buch tut weh. Auf über 300 Seiten lässt die Autorin Nicole Glocke drei Protagonisten mit fürchterlichen Kindheitserinnerungen zu Wort kommen. Die Gründe, in Kinderheime zu geraten, waren vielfältig. Sie waren Kinder aus asozialen Familien, galten als schwer erziehbar, hatten psychische Probleme oder Eltern, die Ausreiseanträge gestellt hatten. Manch ein Jugendlicher, der sich gegen Staat und Politik äußerte, einen Iro trug oder die falsche Musik hörte, konnte zur 'Umerziehung' auch gegen den Willen seiner Eltern in ein Heim geraten. Was dann passierte, entblättert sich in dieser Publikation am Beispiel der drei Betroffenen so umfassend wie schockierend. Die Texte sind in ihrer Brutalität und Offenheit Zeugnisse und Wegbereiter eines minderbeachteten Themas – der anhaltenden Traumatisierung eines beträchtlichen Teils des ostdeutschen Volkes. Dieses mutige Buch sollte den Weg ebnen für eine breite Aufmerksamkeit und Anerkennung des Themas – und die Vermeidung ähnlicher Schicksale in der Zukunft.«
weltexpress, 28. Juli 2011
»Nicole Glocke beschreibt überforderte, schlecht ausgebildete Erzieher und eine entsolidarisierte Häftlingsgesellschaft, in der jeder sich selbst der nächste und Stärke die einzige Chance war, psychisch zu überleben. Besonders bewegend liest sich die Geschichte eines Jungen, der 12 Jahre in Heimen, Jugendwerkhöfen und Gefängnissen verbrachte, obwohl er Eltern hatte. Ein wichtiges Buch, denn die Aufklärung über die DDR-Sonderheime und Jugendwerkhöfe steht immer noch am Anfang.«
Deutschlandfunk, 11. Juli 2011
»Die ausführlichen Schilderungen machen nicht nur das perfide System von Kontrolle und Bestrafung deutlich, sie zeigen auch die Schwierigkeiten der Jugendlichen, in ein Leben außerhalb von Heim oder Werkhof zurückzufinden.«
ekz-Informationsdienst, Juli 2011
»Die Autorin und Historikerin erzählt die Erinnerungen aus drei Jahrzehnten aus der Perspektive der Betroffenen, ohne Wertung, im Reportagestil. Ein wichtiges Stück Zeitgeschichte.«
Leipziger Volkszeitung, 10. März 2011
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