Ludwig A. Rehlinger
Freikauf
Die Geschäfte der DDR mit politisch Verfolgten 1963-1989
Mit einem Nachwort von Justus Vesting
280 S., KlBr., 148 x 210 mm
durchgesehene, ergänzte Neuauflage
ISBN 978-3-89812-829-2
Der Menschenhandel, mit dem die DDR sich »gewinnbringend« von vorrangig politisch missliebigen Bürgern trennte, gehört zu den dunkelsten Kapiteln des ostdeutschen Staates, für den angeblich immer der Mensch im Mittelpunkt stand. Ab 1962 bis 1989 wurden durch die Bundesrepublik Deutschland 33.000 Menschen aus DDR-Gefängnissen freigekauft. Nachdem es zunächst nur um Einzelfälle ging, wobei die Bundesrepublik den Entscheidungen der DDR-Machthaber anfangs mit Warenlieferungen nachhalf – 20 Häftlinge und ebenso viele Kinder kamen Weihnachten 1962 zum Preis von drei Eisenbahnwaggons voll Kalidüngemittel frei –, erkannte man auf Ostseite sehr schnell das ökonomische Potenzial. So spülte der Menschenhandel am Ende rund 3,5 Milliarden D-Mark in die stets klammen Kassen Ostberlins.
Auf bundesdeutscher Seite war Ludwig A. Rehlinger von Anfang an involviert. 1963 stand er – wie in einem schlechten Agentenfilm – mit einem Koffer voller Bargeld an einem Berliner S-Bahnhof. DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel hatte einige Häftlinge persönlich in den Gefängnissen abgeholt und mit der S-Bahn über die Grenze nach Westberlin gebracht. Im Gegenzug bestand er darauf, dass ihm das Geld, insgesamt 320.000 Mark, dort übergeben würde.
In seinen 1993 zuletzt aufgelegten Erinnerungen schildert Rehlinger die Hintergründe und Abläufe dieser einzigartigen Geschäfte des »Arbeiter-und-Bauern-Staates«, die eine unmittelbare Folge des Mauerbaus von 1961 waren.
Der Autor
Ludwig A. Rehlinger, geb. 1927; nach Jura- und Volkswirtschaftsstudium 1957–1969 Ministerialbeamter im Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen und 1982 bis 1988 Staatssekretär im Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen; 2005–2007 Vorstandsvorsitzender, seit 2007 Ehrenvorsitzender der Deutschen Gesellschaft e. V.
Pressestimmen
»Ein sehr präzises Erinnerungsbuch. Noch lange dürften die Erinnerungen von Ludwig Rehlinger eine unverzichtbare Quelle für die Erforschung dieses in jeder Beziehung heiklen Gegenstands der Zeitgeschichte sein.«
Detlef Kühn: Deutschland Archiv Online (www.bpb.de), 26. Oktober 2012
»Das Buch fasst persönliche Erinnerungen zusammen und berichtet detailreich von der Geheimdiplomatie zwischen Ost und West. Es ist auch deswegen wichtig, weil viele bundesdeutsche Akten zu diesem Thema noch als ›geheim‹ eingestuft sind.«
MDR Figaro, 19. April 2012
»Der Jurist mit dem wachen Blick, dessen Erinnerungen an die geheimen Details jetzt als Buch neu aufgelegt wurden, ist der letzte noch lebende Zeitzeuge, der den Freikauf von bundesdeutscher Seite aus mit eingefädelt hat.«
Spiegel Online (einestages), 25. Oktober 2011
»Zum Thema Freikauf gibt es kaum Material; daher sind Rehlingers Erinnerungen für Forscher eine der grundlegenden Quellen, wenn es darum geht, das Unverständliche zu verstehen. Der Verhandlungsführer Rehlinger hatte es nicht leicht - von den vielen ›schmerzlichen Vorgängen‹ und unerquicklichen Vorfällen berichtet er in seinem Buch ausführlich und gewährt uns einen berührenden Blick hinter die Kulissen.«
Kulturpolitische Korrespondenz, 25. November 2011
»Ludwig Rehlinger, Beamter im Innerdeutschen Ministerium und später Verantwortlicher für die Häftlingsfreikäufe, hat in seinen Erinnerungen eindringlich beschrieben, wie dieser Handel zustande kam.«
Märkische Oderzeitung, 26./27. November 2011
»In 25 Jahren wurden genau 31.775 Menschen von der DDR an die Bundesrepublik verkauft. Das entspricht der Einwohnerzahl einer mittleren Kleinstadt. Der Autor stellt auch einzelne Schicksale vor, die dieser abstrakten Zahl ein Gesicht geben. Mit Ludwig A. Rehlinger beleuchtet einer der besten Kenner die Geschichte der humanitären Bemühungen der Bonner Republik, DDR-Bürger mittels ›Lösegeld‹ aus der SED- Diktatur zu befreien.«
Kulturjournal Mittelthüringen, 06-2011
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