Hans-Hendrik Grimmling/Doris Liebermann
Die Umerziehung der Vögel
einmalerleben
Autobiografie
288 Seiten, geb. m. SchU, zahlr. Abb.
ISBN 978-3-89812-543-7
»Er ist zu wild, er zerschlägt immer alles.«
Wolfgang Mattheuer, 1999
Es ist der überraschende, eigenwillige Blick eines unangepassten Künstlers, Malers, Denkers mit aufbegehrendem Temperament und intellektueller Unruhe, mit dem Grimmling seinen Werdegang von den Anfängen im ersten Atelier in der sächsischen Kleinstadt Zwenkau über den ersten Zeichenunterricht in Leipzig schildert, wo sich für ihn schon in jungen Jahren das »Verhängnis Kunst« andeutet und er sich später mit dunklen, bestürzenden Vogelmetaphern von den Realismen der »Leipziger Schule« abwendet. Im Künstlerkreis »Tangente« ist Grimmling Mitinitiator des legendären »1. Leipziger Herbstsalons«, einer halblegalen Ausstellung im Messehaus am Markt 1984, einem Meilenstein der unangepassten DDR-Kunstgeschichte, der von den DDR-Behörden als »konterrevolutionär« eingestuft wird.
1986 reist Grimmling nach Westberlin aus, wo er sich wie ein »nasser Vogel fühlt, der in die Mauer fällt«. Er beschreibt den schwierigen Neuanfang im Westen, porträtiert Künstlerfreunde und Weggefährten, rekapituliert seine Erfahrungen mit dem »deutsch-deutschen Bilderstreit« und bestimmt nachdenklich eigene künstlerische Positionen.
Geschildert aus der Sicht eines der wichtigsten Protagonisten, beleuchtet dieses Erinnerungsbuch u. a. wenig bekannte Kapitel der alternativen Leipziger Kunstszene der achtziger Jahre.
Der Autor
Hans-Hendrik Grimmling, 1947 in Zwenkau bei Leipzig geboren, studierte ab 1969 Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, dann an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Von den Vertretern der »Leipziger Schule« beeinflusst, entwickelte er sich zu deren Antipoden. 1986 Ausreise nach Westberlin, seit 2006 lehrt er als Professor an der Berliner Technischen Kunsthochschule.
Die Co-Autorin
Doris Liebermann, 1953 in Thüringen geboren, wurde nach der Biermann-Ausbürgerung mit der sogenannten »staatsfeindlichen Jenaer Gruppe« um den Schriftsteller Jürgen Fuchs nach West-Berlin ausgebürgert. Studium der Osteuropäischen Geschichte und Slawistik. Seit 1983 arbeitet sie als Autorin für Radio, Fernsehen und Zeitungen.
Pressestimmen
»Was, im hauptsächlichen Teil des Buches, über die bedrängende DDR gesagt wird, das ist gründlich Durchdachtes. Das macht die Biographie, in ihrer Dichte, zu einer differenzierten DDR-Biographie. Die wird für das Schreiben der wirklichen DDR-Geschichte noch gebraucht!«
literaturmarkt.info, 17. März 2008
»Grimmlings Buch ist persönlich, sehr persönlich. Zu berichten weiß der in Leipzig und Dresden ausgebildete, 1986 nach West-Berlin ausgereiste Maler zum Glück viel mehr als die üblichen Künstler-Befindlichkeiten und Eitelkeiten. Die Umerziehung der Vögel repräsentiert ein Stück deutsch-deutsche Zeitgeschichte.«
Tagesspiegel, 1. April 2008
»Es sind vor allem Grimmlings Offenheit und die plastischen Schilderungen, die seine im besten Sinne klassische Autobiografie zur lesenswerten Lektüre machen.«
Die Tageszeitung, 14. April 2008
»Grimmling erzählt sein Leben mit einer sympathischen Selbstironie, reflektiert sehr ernsthaft und glaubwürdig. Was er zu sagen hat, wird manchem Leser vertraut erscheinen. Es ist, als gibt der Maler uns mit diesem Buch ein Stück Erinnerung zurück.«
Sächsische Zeitung, 22. April 2008
»Grimmling legt mit seinem Buch ein schonungslos ehrliches Zeitdokument vor.«
Leipziger Volkszeitung, 9. Mai 2008
»Mit einer umwerfenden, sich selbst nicht schonenden Offenheit erzählt der Mattheuer-Meisterschüler faktengesättigt über die Welt der Leipziger Malerzirkel.«
Focus Nr. 21, 19. Mai 2008
»Ein hervorragendes Stimmungsbuch, das viel mehr von den Perversionen eines Systems erzählt, als jede faktenreiche Abhandlung. Selten hat jemand so ehrlich über den Zwiespalt, als Künstler in der DDR zu arbeiten und Geld verdienen zu können und sich seine Kunst doch nicht vorschreiben zu lassen, geschrieben.«
Die Welt, 26. Mai 2008
»Grimmlings Autobiografie ist ein Novum. Erstmals bietet hier ein Insider unaufgeregt und freimütig Einblicke in einen Künstlerkreis, der sich mit seinem Selbstverwirklichungsanspruch bewusst jeder ideologischen Nutzbarkeit entzog. Man gewinnt den Eindruck, als sitze einem der mit sechzig Jahren jung gebliebene, verschmitzte Provokateur greifbar gegenüber. Das ist zweifellos auch das Verdienst der Co-Autorin Doris Liebermann.«
Frankfurter Rundschau, 27. Juni 2008
»Anekdotisch, oft poetisch, spiegelt das Buch sowohl einen Lebensweg wie auch jüngere Zeitgeschichte.«
Art – Das Kunstmagazin, Juli 2008
»Ein sehr persönliches Buch, das über eine Nabelschau hinausgehen will.«
Berliner Morgenpost, 28. August 2008
»Schonungslos zeigt Grimmling sich, seine Wunden und bleibt dabei immer ganz authentisch. Seine bildhafte Sprache lässt den Leser eintauchen in den Sog des Lebensgefühls der Siebzigerjahre in der DDR. Der Kreis jener Unangepassten, die abseits vom sozialistischen Alltag und dennoch davon geprägt nach Leben hungerten. Dem Leser begegnet hier zu schnell vergessene jüngste deutsche Zeitgeschichte, die lebendig mit der Künstlerbiografie verschmilzt. Der Maler reibt sich an seinem Verhältnis zur Macht und setzt ihr die künstlerische Kraft der Malerei entgegen.«
Rheinischer Merkur, 13. November 2008
»Grimmling ist ein unaufdringliches Selbstporträt gelungen, ständig auf der Suche nach dem Glück und dem verlorenen Paradies. Er verlässt die üblichen Trampelpfade, gerät zuweilen zwischen alle Fronten, und doch lädt er ein zur Lust am Fliegen.«
ZDF (»aspekte«), 5. Dezember 2008
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