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Berdsenischwili, Lewan: Heiliges Dunkel

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Verkaufspreis25,00 €
Produkt Verfügbarkeitsdatum: 13.03.2018

Lewan Berdsenischwili
Heiliges Dunkel
Die letzten Tage des Gulag
Deutsch von Christine Hengevoß
Dokumentarfiktion

ca. 240 Seiten, gebunden, 135 × 210 mm
ISBN 978-3-95462-991-6

ET: März 2018


Das wohl ungewöhnlichste Buch über das Leben im Gulag!

Auf die Frage, warum er die Erinnerungen an seine Jahre im Gulag niedergeschrieben habe, erwiderte Lewan Berdsenischwili: »Es ist kein Buch über mich, sondern über die Menschen, die ich kennen und lieben gelernt habe. Vielleicht erkennen einige von ihnen sich nicht wieder, denn die Erzählungen enthalten mehr Wahrheiten über sie, als sie selber wissen oder zu wissen glauben. Es ist ein Buch nicht nur über das Traumatische dieser Erfahrung, sondern auch das Glück des Austauschs mit sehr unterschiedlichen Menschen, denen dasselbe Los zuteilgeworden war.«
Berdsenischwili schreibt mit feinem Humor und Ironie, manchmal aber auch voller Sarkasmus und Wehmut über seine Mithäftlinge und ihre Bewacher. Er folgt den außergewöhnlichen, teils schrägen Charakteren, die – wegen absurdester »Verbrechen« inhaftiert – geplagt sind von Hunger, Haft, dem Mangel an Kommunikation mit der Außenwelt. Doch schwingt auch immer eine gewisse Dankbarkeit mit. Die vom KGB »auserlesenen« Inhaftierten bilden eine Art Ersatzfamilie füreinander und erleben Dinge, die sie ohne den Gulag nicht erfahren hätten.

Lewan Berdsenischwili, geb. 1953 in Batumi, studierte klassische Philologie und promovierte über Aristophanes. Er war Direktor der georgischen Nationalbibliothek und Dozent für antike Literatur an der Staatlichen Universität Tbilissi. Von 1984 bis 1987 war er als politischer Häftling wegen »Antisowjetischer Agitation und Propaganda« in einem Gefangenenlager inhaftiert. Seit 1996 ist er politisch aktiv und Mitglied des georgischen Parlaments. Berdsenischwili schrieb zahlreiche Bücher und Essays. Er lebt mit Frau und Tochter in Tbilissi.

Wie die meisten Insassen des Straflagers rauchte auch Arkadi, doch war er selbst nie im Besitz von Tabak oder Machorka – er nutzte die Möglichkeit nicht, welchen zu kaufen (jeder Häftling durfte einmal im Monat für 5 Rubel einkaufen, allerdings ohne Bargeld), sondern sparte das Geld für sein künftiges Leben, das, wie er wusste, an einem 13. Mai beginnen sollte; daher hatte sich Arkadi zum klassischen Schnorrer, einem sogenannten »Schützen«, entwickelt, das heißt zu einem bescheidenen Erpresser von Machorka. Hinsichtlich dieser Tatsache war die Raucherschaft der »Zone« gespalten: Die Mehrheit bildeten die, die Arkadi unter keinen Umständen Machorka abgeben würden, und eine verschwindende Minderheit waren jene, die ihm unter der Last der Umstände hin und wieder etwas gaben.
Man konnte beide Parteien verstehen, denn in der »Zone« musste man mit allem haushalten, und wer Arkadi etwas von seinem Machorka überließ, beraubte sich eines Vergnügens und verlängerte so die eigene Haftzeit. Damit will ich sagen, dass wir die Minuten des Behagens, die der Machorka uns bereitete, mit der Freiheit assoziierten.