Lampo, Hubert: Die Ankunft des Joachim Stiller

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Verkaufspreis19,00 €

BESCHREIBUNG

Hubert Lampo
Die Ankunft des Joachim Stiller
Roman
Aus dem Flämischen von Herbert Genzmer
Mit Illustrationen von René Schäffer
Bibliothek der Entdeckungen, Bd. 3

244 S., geb.
ISBN 978-3-89812-537-6

 

Buchgestaltung von Helmut Stabe (Förderpreis der Stiftung Buchkunst 2005, Goldmedaille "Schönste Bücher 2006" der Stiftung Buchkunst)

Freek Groenevelt, Schriftsteller und Journalist im Antwerpen der Nachkriegszeit, wird aus der Bahn geworfen, als ein mysteriöser Joachim Stiller mit einem an ihn verfassten Brief plötzlich in sein Leben tritt und ihn mit Erscheinungen jenseits von Logik und Vernunft konfrontiert. Dass der Brief laut Poststempel vor seiner Geburt aufgegeben wurde, lässt ihn zunächst an einen Scherz glauben. Woher sollte jemand wissen, wo Groenevelt 38 Jahre später als Erwachsener lebt? Im Laufe der nächsten Monate jedoch erhält er weitere rätselhafte Briefe und Telefonate. Und immer wieder taucht der selbe Name auf: Joachim Stiller. Auf der Suche nach ihm begegnet Groenevelt der jungen Simone Marijnissen und verliebt sich in sie. Während Antwerpen in einer Weltuntergangsstimmung versinkt, fühlen sich die beiden auf unerklärliche Weise von Joachim Stiller geschützt. Hinweise mehren sich, dass Stiller bereits vor mehreren Jahrhunderten geboren wurde, und als er schließlich sein Erscheinen ankündigt, erwarten ihn Freek und Simone am Bahnhof.
Der magisch-realistische Roman »Die Ankunft des Joachim Stiller« (1960) ist das bekannteste und meistgelesene Buch des flämischen Autors Hubert Lampo und liegt jetzt erstmals ins Deutsche übersetzt vor.

»Ich habe ›Die Ankunft des Joachim Stiller‹ genossen, eine Leseerfahrung, für die ich dankbar bin.«
Ray Bradbury

autor

Hubert Lampo, geb. 1920 in Antwerpen, gest. 2006 in Essen, ist der wichtigste Vertreter des magischen Realismus der flämisch-niederländischen Literatur. Sein umfangreiches Œuvre wird in den Niederlanden und Belgien viel gelesen. Er erhielt zahlreiche Preise, u. a. den belgischen Staatspreis für Literatur. Seine wichtigsten Werke wurden in viele Sprachen übersetzt, jedoch nur wenige bisher ins Deutsche.

Pressestimmen

»Es gehört zu den Rätseln unserer Wirklichkeit, dass dieser Roman erst ein halbes Jahrhundert nach Erscheinen im Mitteldeutschen Verlag für das deutschsprachige Publikum zugänglich gemacht wurde. Umso schöner ist es, ihn nun als Teil einer Reihe mit dem treffenden Namen Bibliothek der Entdeckungen in der deutschen Übersetzung von Herbert Genzmer in Händen zu halten. Helmut Stabes Gestaltung des Einbandes passt hervorragend zum Entstehungskontext des Romans, erinnert das Design doch an die Buchästhetik der Fünfziger Jahre. Eine weitere Zugabe zur deutschen Ausgabe sind die Fotografien René Schäffers, welche den Text kongenial illustrieren. Die Übersetzung Genzmers wird dem bildhaften Stil Lampos gerecht. Aber was macht diesen Klassiker belgischer Literatur nun inhaltlich so faszinierend? Als 'Journalist für Ereignisse mit gewissen Bedeutungen' spürt Protagonist Freek Groenevelt in den Kulissen Antwerpens der Absurdität einer post-traumatischen Heilserwartung nach. Darin steckt die ganze Faszination des abendländischen Kampfes zwischen Mystik und Moderne, den der Roman meisterhaft in Szene setzt. Und das ist eine Abendlektüre wert.«
nachbarsprache niederländisch, September 2009

»Eine Kostbarkeit aus der niederländischsprachigen Nachkriegsliteratur. Dass Die Ankunft des Joachim Stiller - ein Roman, der an die deutschsprachige Jahrhundertwende-Fantastik, allen voran an Gustav Meyrinck oder an Alfred Kubins Andere Seite erinnert - erst ein halbes Jahrhundert nach seinem Entstehen in der deutschen Übersetzung greifbar ist, ist ein Verdienst der hübschen Entdeckungen-Reihe des Mitteldeutschen Verlages. Ein architektonisches Einbandmuster freut ebenso wie die atmosphärisch zwischen die Seiten gestreuten Fotografien eines jungen Hallenser Künstlers. Aus der 'Entdeckung' des Mitteldeutschen Verlages wird eine fantastisch-sinnliche Begegnung: die lang überfällige Ankunft des Hubert Lampo im deutschen Sprachraum.«
Deutschlandradio Kultur, 18. August 2009

»Sein Blick für das Kleinteilige, das Alltägliche, macht den Zauber aus an Hubert Lampos Roman 'Die Ankunft des Joachim Stiller'. Der Romancier gehört zu den modernen Klassikern der flämischen Literatur. Dieses Buch des Autors war und ist sein beliebtestes. Ein leidenschaftliches Stück Heimatliteratur - ohne den Mief des Provinziellen. Wie Lampo seine Figuren durch Antwerpen führt, das nimmt einen für die Stadt wie für den Autor ein. Sanfte Ironie prägt diesen Text - und dann ist dies noch eine zauberhafte Liebesgeschichte. Bemerkenswert auch die liebevolle, bibliophile Ausstattung mit Fotos von René Norbert Schäffer.«
Westfälischer Anzeiger, 18. Februar 2010

»Was der flämische Autor Hubert Lampo, der oft mit Franz Kafka verglichen wird, in 'Die Ankunft des Joachim Stiller' präsentiert, ist ein magisch-realistischer Roman par excellence. Sehr spannend und unter allerlei verschiedenen Aspekten beleuchtet Lampo die Suche Groenevelts nach Stiller. Mit einem bemerkenswerten Gespür für die Tiefen der menschlichen Seele bildet der Autor die Gedanken und Emotionen seiner Protagonisten ab. Seine Figuren sind Personen mit Ecken und Kanten, voller verschiedener Facetten und keineswegs in eine bestimmte Schublade zu stecken. 'Die Ankunft des Joachim Stiller' ist ein äußerst empfehlenswertes Buch, das den Vergleich mit aktuellen Romanen und Thrillern in puncto Spannung, Faszination und Tiefe auf keinen Fall scheuen muss.«
literaturkritik.de, 4. März 2010

Leseprobe

Der Himmel stand wie aquarelliert über den sauber gewaschenen roten Dächern, und nur einzelne Wolkenstreifen trieben auf die Schelde hinaus. Sehr hoch oben zog ein lautloses Düsenflugzeug seine deutliche weiße Spur ins Blau, die danach langsam wieder zerfloss. Unten lärmten die fröhlichen Geräusche der morgendlichen Straße, an den unmöglichsten Orten hing Wäsche zum Trocknen, und wo ich hineinschaute, sah ich fleißig in ihre Arbeit vertiefte Hausfrauen. Ich stopfte mir die erste Pfeife des Tages und schaute mit Freude dem Rauch zu, wie er sich emporkräuselte, und genoss diesen Sommermorgen doch noch.
In dem Moment, als ich beschloss, mich nicht mehr über den Brief aufzuregen – und damit war es natürlich auch schon zu spät –, schoss mir durch den Kopf, dass ich das Kuvert in den Papierkorb geworfen hatte. Es kostete mich keine Mühe, den zerknüllten Umschlag wiederzufinden. Ich strich ihn sorgfältig an der Fensterbank glatt. Sprachlos starrte ich auf die Briefmarke. Es war ein Exemplar, an das ich mich nur undeutlich aus meiner frühesten Kindheit erinnerte, seit mindestens dreißig Jahren nicht mehr gültig, immer noch mit dem bekannten Kriegsportrait von König Albert mit Trench und Helm. Während ich darüber nachdachte, dass jeder ernsthafte Sammler den vollständigen Satz in seinem Album hätte, und sie obendrein noch in jedem Briefmarkengeschäft zu kaufen wären, fiel mein Blick auf den Datumsstempel. Ich wischte mir sprichwörtlich vor Erstaunen über die Augen. Auch der Stempel war, genau wie die Tinte, einigermaßen ausgebleicht, aber seine Echtheit war über jeden Zweifel erhaben. Bestürzt las ich: II.IX.1919. Was logischerweise bedeutete – sofern dieser Fall überhaupt Anspruch auf Logik erheben kann –, dass der Brief gut anderthalb Jahre vor meiner Geburt aufgegeben worden war ...